Hochhaus - Triptychon
Hörspiel & Video-Triptychon
von Paul Plamper und Niklas Goldbach
165 min (3 x 55 min), DVD, PAL, Stereo, 2006
mit Volker Spengler, Cristin König, Milan Peschel,
Margarita Broich, Martin Wuttke, Birgit Minichmayr,
Lars Rudolph, Tina Haseney, Herbert Fritsch u.v.a.
Zu Paul Plampers Hörspiel-Dreiteiler HOCHHAUS hat der Videokünstler Niklas Goldbach ein Video-Triptychon realisiert. Filmmaterial, das die Hörspiele weiterführt und dem Zuschauer beim Hören dennoch genug Raum für eigene Bilder im Kopf lässt. An einem ausverkauften Abend wurden die Hochhaus "Hör-Filme" im HAU 2 in Berlin-Kreuzberg erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Kombination von Hörspiel und Film wurde vom Publikum begeistert aufgenommen, zahlreiche Aufführungen der "Hörspiel-Installation" an weiteren Orten folgten, u.a. im Kölner Museum Ludwig, der Kunsthalle Bremen und bei "distURBANces" im MUSA Wien.
Teil 1 zeigt einen fiktiven Sozialpalast in Berlin, für den ein Plattenbau am Prenzlauer Berg (Ernst Thälmann Park) zu verschiedenen Tageszeiten aus unterschiedlichen Winkeln fotografiert und zu einem wesentlich größeren Gebäude collagiert wurde. Die Kamera fährt auf das Gebäude zu, während langsam Nacht wird. Bei zunehmender Dunkelheit neigt sich das Gebäude bedrohlich nach vorne. Die Kamera fährt an den erleuchteten Fenstern entlang am Haus herunter und landet am Eingang.
Teil 2 wurde in den Gängen des KDF-Bads Prora (längstes Gebäude Europas) gedreht, einem Naherholungsheim der Nationalsozialisten auf Rügen. Man sieht eine Kamerafahrt in Ultrazeitlupe, anfangs in einem instandgehaltenen Flur der Anlage. Im Verlauf der 55 Minuten geschieht eine kaum merkliche Überblendung auf einen ruinenhaften Flur in der selben Anlage einige Blocks weiter.
Teil 3. Drehort sind Albert Speers Testbauten für die geplante "Reichs-Hauptstadt" Germania, die heute verlassen in einem Wald Mecklenburg-Vorpommerns stehen. Im Dickicht entfernt sich die Kamera von einem im Boden steckenden Holzkreuz und schwenkt auf den verwahrlosten Betonklotz. Sich an das Gebäude heranzoomend fährt sie daran hochund zeigt schließlich die Bäume auf dem Dach, die „grüne Mütze“ aus Teil 1. Das Schlussbild ist die Natur, die aus dem Beton wächst.
Die Drehorte sind laut Niklas Goldbach nicht als bloßes politisches Zitat zu verstehen. Vielmehr interessiert den Videokünstler die dystopische Qualität der ausgewählten Architektur. Das Scheitern des in den Gebäuden angelegten utopischen Gedankens. Architektur, die Entwürfe von Utopien vor sich her trägt, zugleich aber den Menschen nicht berücksichtigt, auf den diese Gesellschaftsentwürfe projiziert wurden. (Text: Fabian Kühlein)
INHALT: Berlin, 2013. Stararchitekt Phillip Del Ponte hat in der Hauptstadt das höchste Wohnhaus Europas errichtet. Hier will er seine Vision einer Neo-Kommune verwirklichen. Begeistert kaufen Berlins kreativer Mittelstand und einige Medien-Prominente Eigentumswohnungen in dem schwellenfreien Bauwerk. Sie bevölkern die hauseigenen Einrichtungen wie das Atrium mit Boutiquen und Shops, die Bank, die diversen Sporteinrichtungen und Restaurants, sogar einen Kinderspielplatz auf dem Dach gibt es hier. Es fehlt an nichts in diesem autarken, komplett in sich geschlossenen Gesellschaftssystem. Ein isolierter Mikrokosmos mit vermeintlich besten Vorsätzen. Bis ein gellender Schrei und der Aufprall eines Körpers die Idylle der Gated Community zerreißt. Das Hochhaus wird zum Schnellkochtopf für nachbarschaftliche Feindschaften und ungehemmt wucherndes Schichtbewusstsein. Die moderne Groß-WG regrediert im Zeitraffer zu einem Biotop für primitive Lebensformen. Wie unter Bann verlässt niemand mehr das Haus, und schnell bildet sich eine existenzielle Hierarchie zwischen Penthouse und Pavement, deren Grabenkämpfe in erbarmungslosen Schlachten an Stuhlbarrikaden eskalieren. Ein gigantischer Abenteuerspielplatz für wild gewordene Erwachsene. Paul Plamper und Co-Autor Kai Hafemeister machen aus J.G.Ballards Science Fiction Roman ein soziologisches Horror-Hörspiel, das auch in Deinem Hausflur stattfinden könnte, denn vergiss nicht: Du...bist Hochhaus!
Cast
- Volker Spengler - Erzähler
- Cristin König - Sophie Brosch-Borchmann
- Milan Peschel - Andreas Lang
- Margarita Broich - Charlotte Lang
- Martin Wuttke - Phillip del Ponte
- Birgit Minichmayr - Elisabeth del Ponte
- Lars Rudolph - Heiko de Jong
- Tina Haseney - Alexandra Beyer
- Herbert Fritsch - Swen von Caldern
- In weiteren Rollen: Christian Stein
- Ute Kirchhelle
- Heinrich Butchereit
- Dr. Carl Georg Hegemann
- Tina Pfurr
- Hans Broich-Wuttke
- Franz Broich-Wuttke
- Julian Kamphausen
- Stephan Schlak
- Serafinale
- Marion Czogalla
Team
- Buch - Paul Plamper
- Buch - Kai Hafemeister
- Vorlage - J.G. Ballard
- Regie - Paul Plamper
- Dramaturgie / Redaktion - Martina Müller-Wallraf
- Musik - Schneider TM
- Aufnahmen - Lars Deutrich
- Schnitt - Paul Plamper
- Schnitt - Marion Czogalla
- Schnitt - Fabian Kühlein
- Schnitt - Beat Halberschmidt
- Sounddesign - Paul Plamper
- Sounddesign - Beat Halberschmidt
- Mischung / Mastering - Beat Halberschmidt
- Regieassistenz / Produktionsleitung - Tina Pfurr
- Regieassistenz / Produktionsleitung - Fabian Kühlein
Cast
- Volker Spengler - Erzähler
- Cristin König - Sophie Brosch-Borchmann
- Milan Peschel - Andreas Lang
- Margarita Broich - Charlotte Lang
- Martin Wuttke - Phillip del Ponte
- Birgit Minichmayr - Elisabeth del Ponte
- Lars Rudolph - Heiko de Jong
- Tina Haseney - Alexandra Beyer
- Herbert Fritsch - Swen von Caldern
- In weiteren Rollen:
- Christian Stein
- Ute Kirchhelle
- Heinrich Butchereit
- Dr. Carl Georg Hegemann
- Tina Pfurr
- Hans Broich-Wuttke
- Franz Broich-Wuttke
- Julian Kamphausen
- Stephan Schlak
- Serafinale
- Marion Czogalla
Team
- Buch: Paul Plamper
- Kai Hafemeister
- Vorlage: J.G. Ballard
- Buch / Regie: Paul Plamper
- Dramaturgie / Redaktion: Martina Müller-Wallraf
- Musik: Schneider TM
- Aufnahmen: Lars Deutrich
- Schnitt: Paul Plamper
- Marion Czogalla
- Fabian Kühlein
- Beat Halberschmidt
- Sounddesign: Paul Plamper
- Beat Halberschmidt
- Mischung / Mastering: Beat Halberschmidt
- Regieassistenz / Produktionsleitung: Tina Pfurr
- Fabian Kühlein
Produktion / Jahr
WDR - 2006
Gefördert durch die Filmstiftung NRW
Ausstellungen
Hebbel am Ufer Berlin (2006), Museum Ludwig Köln, Literaturfestival Berlin im Haus der Berliner Festspiele Berlin, Theater Freiburg, theaterimballsaaal Bonn, Forum Freies Theater Düsseldorf, Theater im Pumpenhaus Münster, Kampnagel Hamburg (2007), Freihaus ms Münster (2010) Kunsthalle Bremen (ca. 2011), "distURBANces" im MUSA, Vienna, Austria (2013), Hörspiel unter dem Sternenhimmel im Zeiss Großplanetarium Berlin (2022)
Kritiken
Audiomaterial
Hochhaus Soundtrack Main Theme von Schneider TM (Free Download File)
Bericht von Martin Maria Schwarz im HR2 Mikado vom 23.03.2012