Schuldenberg
8-Kanal-Klanginstallation
im großen Saal des Palasts der Republik, Berlin
Materialien: Lautsprecher, Steg
15 min im Loop, 2005
Welche Bedeutung hat die historische Mitte der Stadt und wer hat die Hoheit, diese Bedeutung zu bestimmen? Kurz vor dem Abriss des Palastes der Republik, der ruinenhaft und dekonstruiert auf dem Berliner Schlossplatz stand, baute raumlaborberlin ein riesiges, wucherndes Bergmassiv in, vor und auf das umstrittene Gebäude. Der Berg war die großmaßstäbliche Antithese zum Schloss und ersetzte für die Zeit seines Bestehens mit Rekordbesucherzahlen die Leere und Inhaltslosigkeit, die im Begriff war, sich auf dem Schlossplatz weiter auszubreiten.
Die Dimensionen und ausgefeilte Technik des entkernten großen Saales waren auch im Rohbau ein Erlebnis, aber seit 16 Jahren hatte kein Besucher den Raum mehr betreten dürfen. Um das Verbot zu umgehen, war sein Architekt Manfred Prasser auf die Idee gekommen, eine Brücke durch den Raum zu bauen, so dass sich die Besucher im Saal aufhalten konnten, ohne ihn 'offiziell' zu betreten.
Für die Installation „Schuldenberg“ stieg man eine improvisierte Treppe an der Außenseite des Palasts hinauf und betrat oben angelangt das Gebäude durch die Fassade. Dort querte man den riesigen Raum in 8 Metern Höhe über einen Steg.
Um den Steg herum waren in bis zu 20 Meter Distanz auf verschiedenen Ebenen 8 Lautsprecher verteilt, in denen sich Klänge ringsum, aber auch von hoch oben in die Tiefe bewegen konnten.
In diesem Klangraum war ein bröckelndes und rieselndes Bergmassiv zu hören, umweht von einem melancholischen Gitarrenriff von Schneider TM. Riesige Felsbrocken kullerten tosend bergab. Und immer wieder flackerten Ausschnitte aus Originalsitzungen des Parlaments der DDR auf, sowie aus dem kulturellen Programm des Palastes zu DDR-Zeiten, inclusive der Tanzvergnügungen. Die Vergangenheit des Saales war verschränkt mit Schlaglichtern aus der jüngeren Berliner Geschichte - dem Berliner Bankenskandal und dem daraus resultierenden Schuldenberg.
Team
- Idee, Konzept und Realisation: Paul Plamper
- Julian Kamphausen
- Mischung: Beat Halberschmidt
- Komposition: Schneider TM
- Kuratoren: Amelie Deuflhard
- Matthias Lilienthal
Produktion / Jahr
Volkspalast - Sophiensæle und HAU in Kooperation mit raumlabor_berlin und club real - 2005